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Der Patient als Fleischplatte

Heute abend habe ich auf Spiegel online den Artikel “Der Patient als Fleischplatte” gelesen und wurde sehr neugierig auf die Doku auf ARD um 21 Uhr. Diese ist soeben zu Ende und wer es nicht gesehen hat, der informiere sich nachträglich über obigen Link und diesen Artikel.

Meine Kurzfassung: Wir leben in einer Zweiklassenmedizin und wer das leugnet, der ist entweder ignorant oder dumm. Bedenklich finde ich den Umstand, dass Ärzte den gesetzlichen Kassenpatienten unter Umständen bewußt nicht alle Behandlungsmöglichkeiten offenlegen, ganz gleich, ob die gesetzlichen Kassen diese bezahlen würden oder nicht. Das ist nichts neues für die, die über unser Gesundheitssystem schon mal nachgedacht haben. Schlimm finde ich, dass die Ärzte aus vermeintlicher Rücksicht auf die Patienten die beste Behandlungsmethode verschweigen, weil sie denken, dass sich der Patient dann minderwertig fühlt. Ganz nach dem Motto: Lieber schlecht und im Unwissen behandeln, als aufrichtig und ehrlich unter bekannten Risiken.

Das gesamte System krankt von oben her: Dort spielen nur ökonomische Vorgaben eine Rolle und die Ärzt, in der Mitte, sitzen zwischen den Stühlen. Die einzige frei bewegliche Komponente ist der Patient. Darum ist jeder einzelne dafür verantwortlich, seinen behandlenden Arzt aktiv darauf hinzuweisen, dass er über sämtliche Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere auch die seiner Meinung nach optimalste, informiert werden möchte einschließlich der etwaigen Kosten, die privat hinzu zu zahlen wären.

In Deutschland entscheiden seit mindestens 7 Jahren nicht mehr die Ärzte über die beste Behandlung sondern die Kassen, die Politik (wenn auch verdeckt) und vor allem das Geld. Ich selber, würde mich gerne privat versichern lassen, verdiene dafür leider zu wenig. Eine private Krankenversicherung kostet etwa die Hälfte als eine gesetzliche. Dennoch verdienen die Ärzte fast das doppelte an der gleichen Behandlung. Da frage ich mich, wo das Geld aus meinem gesetzlichen Beitrag bleibt? Selbstverständlich verstehe ich, dass über die gesetzlichen Krankenkassen viele schwere Krankheiten und Behandlungen abgewickelt werden, etwa bei Krebs. Wie ich heute in der Doku erfuhr, gibt es Patienten, die ca. 200.000 Euro pro Jahr an Kosten verursachen. Klar, dass das auf den Einzelnen gesehen ökonomisch sinnlos ist, es sei denn er würde auch so viel Beitrag leisten. Andererseits trage ich diese Kosten mit meinem Beitrag mit und hoffe, dass es einmal ebensolche Beitragszahler geben wird, falls es mich mal trifft. Dennoch ist klar, dass solche Kosten mit der zunehmenden Altersstruktur in der Bevölkerung zunehmen werden und damit auch der Druck auf Ärzte, lieber billig und schlecht als gut zu behandeln.

Für meinen Teil nehme ich mit, dass ich für die optimale Behandlung bei Krankheiten jeder Art bereit sein muss, aus meiner eigenen Tasche Geld zu zu zahlen.

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Erstellt 31 Aug 2009 von Robert in Politik & Gesellschaft


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